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Curated Furniture Shopping bei 99chairs und Roomhero

Curated Furntiture Shopping

Bisher war Curated Shopping vor allem aus dem Fashionbereich mit Outfittery, Modomoto oder auch Zalon bekannt. Seit 2014 existieren mit 99chairs und Roomhero zwei ähnliche Modelle auch für Möbel und Wohnungseinrichtung. Beide Startups bieten eine (kostenlose) und individuelle Beratung vom Einrichtungsspezialisten, setzen dabei aber auf unterschiedliche Herangehensweisen. Beiden gemein ist, dass sie nicht der eigentliche Händler sind, sondern mit etablierten Möbelanbietern aus der On- und Offlinewelt kooperieren. Grund genug, beide Startups und deren Webseiten etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bei 99chairs beginnt man mit einem Stylequiz

Sein Zuhause vom Profi einrichten zu lassen, davon träumen sicherlich viele, schließlich kann die herkömmliche Art und Weise des Möbelkaufs leicht in unnötigen Stress ausarten. Bis man sich durch die Angebote von Online Shops durchgeklickt hat und diverse Möbelhäuser besucht hat, kann eine Menge Zeit verloren gehen. Und dann ist noch nicht garantiert, dass die verschiedenen Teile in der Wohnung miteinander harmonieren. Da wäre ein Einrichtungsprofi extrem hilfreich, aber üblicherweise auch mit mehr Kostenaufwand verbunden. Dieses Problem zu lösen, haben sich die Verantwortlichen von 99chairs mit Ihrem Geschäftsmodell vorgenommen. Für den Einrichtungsservice zahlt der Kunde keinen Cent extra. „Damit machen wir einen Service, welcher bisher nur wenigen vorbehalten war, für jedermann zugänglich“, ließen die Gründer Julian Riedelsheimer und Frank Stegert verlauten.

99chairs
Anleitung bei 99chairs

Um das Angebot in Anspruch zu nehmen, macht der Kunde zunächst einen kurzen Stylecheck, wobei er zu verschiedenen Vorlieben befragt wird. Im Gespräch mit seinem persönlichen Interior Designer kann im Anschluss das Budget definiert werden und die Wünsche und Ziele genauer erläutert werden. Nach dieser Auswertung erstellt der Einrichtungsprofi dann ein individuelles und kostenloses Designkonzept mit Einrichtungsideen und konkreten Produktvorschlägen. Was dem Kunden gefällt, kann er anschließend online bestellen und sich nach Hause liefern lassen. Durch die Zusammenarbeit mit führenden Premium-Modehändlern stehen Kunden von 99chairs shopübergreifend über 400.000 Produkte zur Auswahl, wobei die Koordination der Bestellung und Lieferung von den Einrichtungsprofis übernommen wird. Die tatsächliche Lieferung und eventuelle Retoure laufen dann aber direkt über den Möbelhändler.

3D und Augmented Reality – ja oder nein?

Das Konzept von Roomhero funktioniert eigentlich recht ähnlich. Die Beratung ist allerdings erst dann kostenlos, wenn man einen Wareneinkaufswert von 500 Euro erreicht hat. Andernfalls kann man aus zwei Beratungspakten auswählen. Zum einen ein Produktvorschlagspaket für 80 Euro und zum anderen ein Einrichtungskonzeptpaket für 160 Euro pro Raum. Dafür bekommt man einen Fragebogen, ein persönliches Gespräch mit einem Interior Designer und im Anschluss fünf Produktvorschläge oder ein maßgeschneidertes Einrichtungskonzept – je nach Paketauswahl. 500 Euro hat man bei Möbeln zwar schnell zusammen, trotzdem wirkt Roomhero damit im Vergleich zu 99chairs wie die teurere Variante.

roomhero
Baukastendesign bei Roomhero

Der Beratungsprozess klingt in der Theorie genau so simpel wie bei der Konkurrenz. Nach dem Fragebogen und dem Gespräch benötigt es einen Grundriss oder Bilder des zu bestückenden Zimmers. Sollte man gar keine Lust auf ausmessen haben, dann käme sogar ein Mitarbeiter direkt vorbei. Ein Pluspunkt! Auf der Basis der ermittelten Vorlieben und des Zimmerplans erarbeiten die Einrichtungsexperten nicht nur Produktvorschläge sondern auch einen möblierten Grundrissplan zur besseren Vorstellung. Ganz klar wird mir jedoch nicht, wie letzterer aussehen wird. In einem extra Menüpunkt zu B2B wirbt Roomhero mit der Planung der Räume mit 3D und Augmented Reality. Die Seite adressiert jedoch Händler, die mit Roomhero kooperieren wollen (man setzt vor allem auch auf den stationären Handel und bietet kleineren Möbelhäusern die Möglichkeit ihre Produkte im Netz zu verkaufen.) Da ist eine 3D-Ansicht und Augmented Reality eine hervorragende Form für ein Einrichtungskonzept. Schließlich lassen sich die Möbel im Raum aus mehreren Perspektiven erfassen und begutachten. In der Vorgehensbeschreibung für die Kunden von Roomhero liest man allerdings nichts von 3D und AR. Es lässt sich allenfalls vermuten und sollte eigentlich viel deutlicher herausgestellt werden, um auf die USPs im Vergleich zu 99chairs hinzuweisen.

99chairs bietet das stimmigere Konzept

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Kundenstories von 99chairs

Die haben, was den Bekanntheitsgrad angeht, nämlich deutlich die Nase vorn. Vergleich man nur einmal die Anzahl der Likes auf Facebook für beide Startups, dann wird ersichtlich, dass 99Chairs mit 62.000 Likes deutlich mehr Anhänger hat als Roomhero mit 436 Likes und das hat vielleicht nicht nur Gründe beim vermeintlich niedrigeren Preis. Die Seite von 99chairs wirkt insgesamt harmonischer und dementsprechend auch besser geeignet, um für eine Stilberatung zu werben. Große Bilderwelten sorgen für ein stimmiges Design, bei dem der Interessent direkt auf das Stylequiz verwiesen wird. Der automatische Slider nervt zwar etwas, aber transportiert zumindest die richtigen Inhalte für den Fragebogen. Dagegen wirkt roomhero.de wie ein liebloses Designtemplate, das aus verschiedenen Schnellbausteinen zusammengesetzt wurde. Hier erhält man als Kunde nicht wirklich das Gefühl, dass man bei Fragen der Ästhetik auf gute Beratung stößt. Anders bei 99chairs, die vor allem auch das Prinzip des Storytellings verstanden haben. Man setzt vor allem erfolgreiche Projekte auf der Webseite in Szene und erzählt die Geschichte der Kunden mit hochwertigen Bildern mit den Ergebnissen der Einrichtungsberatung. Und solche Beispiele will man als Kunde auch sehen, dann fällt es auch leichter, den Service einzuschätzen.

Abschließend…

Endgültig beurteilen, wie die Services von beiden Unternehmen qualitativ abschneiden, kann man wohl erst, wenn man sie auch tatsächlich ausgetestet und bestellt hat. Vom ersten Eindruck her muss man allerdings festhalten, dass der Auftritt von 99chairs deutlich stimmiger und klarer strukturiert ist als der Auftritt von Roomhero. 99chairs erzählt einfach die bessere Geschichte und erzeugt damit auch ein ganz anderes Gefühl von Ästhetik und Komfort. Was allerdings bei beiden Startups interessant sein wird, ist die Entwicklung von Bestandskunden. Im Fashionbereich funktioniert das um einiges einfacher als mit Möbeln. Denn wer sich seine Wohnung gerade einrichten ließ, der wird wohl für die nächsten Jahre keinen Bedarf sehen, das wieder zu ändern. Die Bestellintervalle sollten demnach recht groß sein. Hier bleibt es spannend zu sehen, wie sich beide langfristig die Loyalität ihrer Kunden sichern wollen.

(Titelbildquelle: Zastolskiy Victor/Shutterstock)

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