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Meinung: C&A hat sich online aufgegeben!

Eine spannende Neuigkeit ging Mitte Februar durch die Presse: Der traditionsreiche Textilfilialist C&A verkauft nun über Zalando Connected Retail. C&A stellt die Kooperation mit Zalando als Stärkung der eigenen Omni-Channel-Strategie dar. Ich persönlich bewerte es als Eingeständnis in das Digitalversagen von C&A der letzten Jahre. Und würde mich nicht wundern, wenn dieser Schritt nur eine lebensverlängernde Maßnahme für den Filialisten ist.  

Auf der Webseite „Über C&A“ beschreibt sich das Unternehmen selbst: „C&A versteht sich als eines der erfahrensten und wegweisendsten Handelsunternehmen der internationalen Modebranche“. Nun aber beginnt dieses Unternehmen, seine komplette Kernkompetenz der eigenen Unternehmung dem Mitbewerber Zalando zu übertragen. Nebst aller Daten über gut laufende Produkte, Ladenhüter und weitere Informationen, da der eigene Online-Shop nicht so funktioniert wie gewünscht. Es ist zu erwarten, dass Zalando mit seiner Daten- und Digitalkompetenz bald weit mehr über das Produktportfolio und die Kunden von C&A weiß, als C&A selbst.   

Quelle: Screenshot zalando.de

In der jüngeren Vergangenheit hat der Spielwaren-Händler Toys „R“ Us bereits den gleichen Fehler gemacht. Statt in Digitalkompetenz, E-Commerce und Digitalisierung zu investieren, hat Toys „R“ Us im Jahr 2000 eine Kooperation mit Amazon geschlossen. Mit dem Ziel die eigenen Produkte über Amazon statt über den eigenen Online-Shop zu verkaufen. So lernten auch die Kunden schnell, Spielzeuge bei Amazon statt bei Toys „R“ Us zu bestellen. Die gewonnenen Daten ermöglichten es Amazon, Ableitungen zu treffen. Und so den einstigen Branchenprimus im Spielzeugbereich online komplett zu verdrängen. Das Ende ist vermutlich bekannt: Toys „R“ Us ging 2018 in die Insolvenz. 

Natürlich ist die heutige Situation etwas anders. Zunächst haben die Kunden bereits gelernt, Textilien online bei Zalando statt bei C&A zu kaufen. Auch hatte Toys „R“ Us lange überhaupt keinen Onlineshop. C&A hat einen, der aber viel weniger Sichtbarkeit hat als die zahlreichen Filialen in unseren Innenstädten und insbesondere auch eine viel geringere Sichtbarkeit als Zalando selbst. 

Der Online-Shop von C&A wird aber nicht erfolgreicher werden durch die Tatsache, dass die Produkte nun auch beim Mitbewerber Zalando gelistet sind. Auch wird die Omni-Channel-Strategie von C&A – anders als in der Pressemitteilung von C&A behauptet – nicht besser. Denn was die Digitalstrategen bei C&A wohl noch nicht realisiert haben: Zalando.de ist kein Channel von C&A, es ist ein knallharter Mitbewerber. 

Quelle: Screenshot c-and-a.com/de

Um es auch für die Manager von C&A verständlich zu machen, möchte ich den Schritt mal in die Offline-Welt – die deutschen Innenstädte – übertragen. Nehmen wir an, in der Düsseldorfer C&A Filiale läuft das Geschäft schleppend. Aber in der Nachbarschaft brummt es bei H&M. Der jüngste Schachzug ist nun vergleichbar mit der Idee, bei H&M zu klopfen und zu vereinbaren, die eigenen Produkte in die H&M Filiale zu legen. Kurzfristig habe ich vielleicht ein paar Produkte verkauft. Mittelfristig wird H&M die interessanten Produkte selbst anbieten und mir die Ladenhüter wieder in die eigene Filiale stellen.  

Statt meine eigenen Verkaufsräume zu optimieren, sich Feedback von den Kunden einzuholen, Verkäufer und Verkäuferinnen zu schulen, Schaufenster besser zu dekorieren und Flugblätter und Anzeigen zu schalten, freue ich mich über die Abverkäufe beim Konkurrenten und warte auf meinen eigenen Untergang.  

Ich weiß, dass das erschreckend klingt und ich wünsche mir, dass es nicht das selbe Ende nimmt wie bei Toys „R“ Us. Auch weil so viele Existenzen an dem Fortbestehen von C&A hängen. Aber so wie die obigen Ausführungen möglicherweise den ein oder anderen schockieren, so schockierend wirkt auf mich die Entscheidung von C&A, zukünftig bei Zalando zu verkaufen.  

Was meinen Sie dazu? Ich freue mich auf weitere Meinungen und einen kontroversen Austausch.  

1 Kommentar

  1. Frederic, genau richtig deine Annahme. Wir die mittlerweile einen eigenes Marktplatz-Produkt für Omnichannel für Kunden im Einsatz haben, haben genau die Strategie ihre Kunden dadurch besser zu kennen, um Services und Produktportfolio kontinuierlich zu optimieren. Und eben nicht den Zalando‘s und Amzon‘s das Geschäft zu überlassen. Danke für die offenen Worte und diesem Blogbeitrag.

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